Vorsicht ja, Schockstarre nein
Shownotes
In dieser Ausgabe zunächst ein tiefgehender Blick auf das Markttreiben, das nach wie vor von Volatilität geprägt ist, aber keine Hinweise auf systemischen Stress offenbart. Dennoch gibt es einige bemerkenswerte Verschiebungen und Warnungen, die nicht übergangen werden sollten. Jörg Kukies sagt: „Die Argumente, um vorsichtig zu sein, sind sehr stark”, meint aber auch, dass es keinen Grund dafür gibt, in Schockstarre zu verfallen.
Ein weiteres Thema ist die vom Bundestag beschlossene Reform der privaten Altersvorsorge. Dabei wird auf verschiedene Kritikpunkte eingegangen, unter anderem auf die Finanzmarktprodukte mit 80 oder 100 Prozent Garantie und die Flexibilität bei der Auszahlung.
Abschließend noch ein Blick auf das Private-Credit-Geschäft. Was sind die Gründe für das rasant wachsende Segment im Schatten regulärer und stark regulierter Bankenkredite, welche Risiken gehen damit einher und wie sind die Sorgen einzuschätzen, dass hier der Boden für eine neue Finanzkrise entsteht? Auch auf diese Fragen folgen klare Antworten.
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Transkript anzeigen
00:00:01: Kapitalmarkt Briefing, der Deep Dive in die Finanzwelt mit Jörg Cookies.
00:00:09: Herzlich willkommen liebe Hörerinnen und Hörern zur neuen Ausgabe dieser exklusiven Podcast-Reihe von The Pioneer!
00:00:14: Ich bin Josie Müller aus der Pioneer Redaktion zugeschaltet.
00:00:18: von unterwegs ist Jörgg Cookies schön guten Tag.
00:00:21: Guten Tag Frau Müller
00:00:26: Bevor wir so richtig loslegen.
00:00:27: kurzer Krivatberuflicher Schwenk, denn Sie haben bekanntgeben können wo sie es jetzt nach Ihrem Amt als Bundesfinanzminister als nächstes hinführen wird.
00:00:36: Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job bei Morgan Stanley!
00:00:39: Was oder ja was mehr können Sie uns darüber schon sagen?
00:00:43: Wann geht's
00:00:43: los?!
00:00:44: Das was ja breit berichtet wurde ich fange am achten Mai wahrscheinlich also ein Jahr nach Ausscheiden aus dem Amt in London an bei Morgan Stanley und werde dann Voraussichtlich im November, wenn also meine Karenzzeit vorüber ist.
00:01:00: Dann nach Frankfurt gehen und die Position als Chef Deutschland Österreich und Vorstandsvorsitzender der Morgan Stanley Europe SE Bank von morgens in Kontinental Europa übernehmen.
00:01:14: Beste Voraussetzungen auf jeden Fall weiterhin für diesen Podcast, mit dem wir jetzt auch richtig loslegen!
00:01:18: Wir schauen zunächst mal auf das derzeitige Markttreiben – dass ja weiterhin recht turbulent ist, wo sich aber auch nach wie vor Resilienz zeigt?
00:01:26: Ja die Märkte sind ja nach wie vorher insgesamt für viele erstaunlich konstruktiv.
00:01:34: wenn man sich die großen Indizes ob S&P oder Eurostocks oder DAX anschaut ist das ja alles zwar volatil, aber von der gesamten Bewegung ist danach wie vor eingepreist.
00:01:48: Dass nach wie vor alles unter Kontrolle positiv ist und Unternehmen nach wie vore allgemein gut abschneiden werden.
00:01:56: also die Dachs als Benchmark nimmt in Deutschland immer noch der bekannteste.
00:02:00: Vierundzwanzigtausend!
00:02:01: Das ist jetzt wenn man die Augen zugemacht hat die letzten Wochen keine riesengroße Änderungen.
00:02:07: zwischen drin hat es natürlich viel Bewegung gegeben heißt höhere Volatilität, aber insgesamt sind die Märkte ja sehr, sehr resilient.
00:02:16: Auf der Zinsseite hat es eine Bewegung gegeben und das sind wir im Bund jetzt um die drei Prozent in dem zehnjährigen EuroSwap auch in der Größenordnung, drei Prozent.
00:02:26: Das ist natürlich schon signifikant höher als vor den kriegerischen Handlungen im Iran.
00:02:33: Also beim genaueren Hinschauen sieht man schon ein paar Verschiebungen.
00:02:36: Bleiben wir da mal in Deutschland.
00:02:38: Beispiel Bundesanleihen, Sie sprechen davon durchaus ja signifikanten Entwicklungen?
00:02:44: Ne gut also wir waren ja Anfang des Jahres in der Region zwei Sechzig-Zwei-Sipzig in den zehnjährigen Bundesanleihen.
00:02:51: jetzt sind wir bei drei Prozent plus Minus ein paar Basispunkte das heißt dreißig Basispunkt und es ist keine gigantische Bewegungen, aber schon erhebliche Einschränkungen.
00:03:04: und wie man es immer so auf Neudeutsch sagt, tightening of financial conditions.
00:03:09: Es wird nicht mehr eingepreist dass die EZB-Dizinsen sinkt sondern es wird eingepreist das die ZB-dizins in erhöht weil insgesamt natürlich der wesentliche Faktor nämlich eine Erhöhung der Inflationserwartungen das Kalkül von Anfang des Jahres durcheinander gebracht hat.
00:03:27: Ich frage auch deshalb, weil wir natürlich auf der einen Seite diese stabilen Märkte sehen.
00:03:31: Die Scheinen zu funktionieren, Liquidität scheint auch vorhanden.
00:03:35: also nach Krisenmodus sieht es nicht aus aber es gibt eben doch ein paar Verschiebungen.
00:03:40: Sehen Sie denn noch weiter geblickt größere Veränderung bei beispielsweise den Kapitalström oder in einzelnen Marktsegmenten oder noch woanders?
00:03:51: Da würde ich sagen, da ist jetzt kein Bruch oder so drin.
00:03:54: Aber natürlich nehmen Investoren wahr, dass sich zwar die Marktgrößen relativ stabil entwickeln aber in den beiden makroökonomischen Faktoren, die im Endeffekt Märkte treiben werden und auch Erwartungsbildungen beeinflussen nämlich Wachstum und Inflation.
00:04:13: Da hat sie ja schon erhebliches getan.
00:04:14: Die Bundesregierung hat ihre eigene Wachslumsprognose gerade mal halbiert.
00:04:17: von Ich würde
00:04:42: da gern mal noch etwas tiefer gehen.
00:04:44: Sind diese stabil wirkenden Märkte Ja, auch fundamental gerechtfertigt?
00:04:49: oder gibt es vielleicht eine Form von Verdrängung von Risiken?
00:04:52: Unterschätzte Bereiche an Risiken.
00:04:56: Na gut, merkt das sind ja immer unvollständige Reflektionen der Heimatregion.
00:05:02: also wenn ein globaler Investor als Beispiel die BRSF-Faktie kauft dann Kauft er damit natürlich die europäischen Werke in Ludwigshafen und Antwerpen, aber auch die Werke im USA, China oder der ganzen Welt.
00:05:18: Von daher ist es immer ein bisschen schwierig von Entwicklung des Dachs auf Entwicklung Deutschlands.
00:05:24: zu Schluss folgern, weil die gleiche Dynamik, die ich Ihnen bei BRSF gegeben habe können Sie natürlich für Siemens SAP und viele andere DAX-Werte auch nehmen.
00:05:35: Die deutsche Volkswirtschaft ist halt sehr global und nur ein kleiner Teil der Erträge und Umsätze der DAX Konzerne sind in Deutschland.
00:05:44: also von daher es ist immer ein bisschen schwierig von den makroökonomischen Bestandsgrößen auf dem Aktienmarkt.
00:05:50: zur Schlussfolgerung
00:05:52: Und inwiefern unterscheiden sich jetzt die Bewertung, wenn wir auf die US-Märkte oder auch nach Asien schauen, wo sich die Folgen des Irankriegs ja auch nochmal anders auswirken?
00:06:02: Aber da sind wir natürlich mit Asien nicht ganz komplett anders gelagert.
00:06:07: Weil natürlich China und Indien
00:06:09: usw.,
00:06:10: das sind ja auch große Energieimporteure und es sind sogar teilweise weil sie einen höheren Anteil aus dem Nahen Osten beziehen Manchmal sogar direkter betroffen, aber insgesamt das ist ja genau der Punkt, der auch Amerika betrifft.
00:06:24: Auch wenn Amerika Netto-Energie Exportür ist zahlen die amerikanischen Konsumenten von Öl weil Öl halt als homogenes Gut weltweit gleichen Preisen unterliegt ist jeder betroffen.
00:06:39: also von daher ist Asien uns da nicht ganz unähnlich, auch was die Exportimportstruktur angeht.
00:06:45: Aber der Haupttreiber nämlich die höheren Preise, die treffen natürlich alle.
00:06:50: Aber wird nicht insbesondere mit Blick auf die US-Markte zunehmend betont dass wir da teilweise ganz schöne Überbewertungen haben trotz der Abverkäufe, die es da zum Beispiel bei den Software Aktien gab.
00:07:00: jetzt kann man ja sicher viel darüber spekulieren.
00:07:03: aber Fakt Das Beispielsweise das Kursgewinnverhältnis dann vielen Sektoren teilweise doppelt so hoch wie im historischen Durchschnitt.
00:07:11: Ja, aber da muss man immer sehr aufpassen weil natürlich Kursgewinnenverhältnisse einfach eins zu eins zu vergleichen schon Äpfel mit Birnen ist, weil natürlich die Zusammensetzung der Indizes sehr unterschiedlich ist.
00:07:25: also ich sag mal so wenn man einen Index hat der sehr wachstumsstarke Unternehmen hat und den mit einem Indexvergleich der weniger wachstumstärke Unternehmen hat, kann man nicht einfach sagen, der eine ist ein Kursgewinnen-Verhältnis.
00:07:40: Es ist höher.
00:07:41: also wird der eine Markt von Überbewertung leiden und der andere ist unterbewertet.
00:07:48: da muss man schon auf die Sektorzusammenfassung normalisieren und wenn man das tut mit S&P und Stocks sixhundert beispielsweise dann nähert sich es deutlich an.
00:07:57: trotzdem gebe ich Ihnen recht.
00:07:59: Es ist im Durchschnitt auch normalisiert, sind die Bewertungen auch auf einer, wie man es sagt, Leigbasis in der Regel in den USA höher was natürlich auch reflektiert dass das gesamte Geschäftsumfeld in den US als positiver bewertet wird als in Europa.
00:08:15: Also kann man dann auch nicht pauschal sagen, dass Anleger vorsichtig sein sollten.
00:08:18: Ja genau!
00:08:19: Ich sag mal so wenn wir jetzt dieselbe Unternehmen in den USA und Europa hätte die wirklich in allen Aspekten vergleichbar wären, kann es trotzdem sein das das Unternehmen mit höherer US-Aktivität positiver bewertet wird.
00:08:33: Wenn die Anleger sagen, in den USA sind die Rahmenbedingungen besser, die steuerliche Situation, die regulatorische Situation und die Innovationsfähigkeit ist höher dann würde ja dasselbe Unternehmen möglicherweise im USA stärker wachsen in Europa und Anlegers wären bereit einen höheren Preis zu bezahlen
00:08:52: um mal noch eine warnende Stimme einfließen zu lassen.
00:08:55: Vorige Woche hat JP Morgan-Chef Jamie Dimon mal wieder für Schlagzeilen gesorgt, der ist ja generell immer sehr kritisch und hat nun erneut vor den derzeitigen Entwicklungen gewarnt – vor teilweise zu teuren Aktien einem unterschätzten geopolitischen Risiko und den hohen Schuldenständen vieler Staaten.
00:09:14: Bis wohin würden Sie denn mit ihm mitgehen?
00:09:16: Ich würde sagen die Argumente, um vorsichtig zu sein sind sehr stark!
00:09:22: kann nur Fatih Birol, dem Chef der International Energieagentur zitieren.
00:09:28: Der gesagt hat, rein vom Volumen her sind die Restriktionen der Energieversorgung als Resultat der Iran-Krise höher als alle Energiekrisen, wie wir in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben.
00:09:43: Ein Quantitativ wie viel Prozent des Öl und Gaslieferumfangs weltweit ist im Moment eingeschränkt oder vor Markt abgekoppelt und kann nicht fließen.
00:09:54: Also von daher, das muss man schon sehr ernst nehmen weil es eben nicht nur auf aktueller Preisbasis zeigt dass die Volatilität und die Preisanstiege bei Öl- und Gas auch fundamental gerechtfertigt sind sondern es sagt ja auch was aus über die langfristigen Willkungen Die Verketten, die unterbrochen sind insbesondere als Folge von Zerstörung der Infrastruktur ja nicht beruhm sind wenn es einen Waffenstillstand oder sogar ein Ende der Handlungen gibt.
00:10:24: Aber zum Beispiel Förderanlagen wurde ja schon berichtet werden für drei bis fünf Jahre Ausfall so dass das schon sehr grundlegende Störungen der Energieversorgung sind und daher gibt's schon gute Gründe auch vorsichtig zu sein.
00:10:39: Ich würde gerne mal noch genauer auf den Anleihemarkt schauen.
00:10:43: Hab ein paar Zahlen rausgesucht, normalerweise führen Dollarkäufe ja zu sinkenden Anleihrenditen.
00:10:49: Seit Ende Februar ... Diegen aber der US-Dollar und die US-Anleihe Renditen.
00:10:55: Die zehnjährige US-Rendite sprang von drei Komma neun sechs Prozent auf vier Komma vier Vier in der Spitze, die Renditen von zweijährigen US-Staatsanleihen liegen mit drei Kommasieben sechs Prozent über dem OS Leitzins.
00:11:07: Anleihe Auktionen zeigen schwächere Nachfrage Und gleichzeitig stieg der Dollar Index aus dem neunziger Bereich auf Werte über hundert.
00:11:16: Sind das alles noch Marktbewegungen?
00:11:19: Die man ja Einfach nicht überbewerten sollte?
00:11:23: Ne, ich würde einfach sagen es ist ganz normal und rational wenn Sie einen nominal fixen Zins haben.
00:11:31: Wenn Sie eine zehnjährige Anleihe ob Bund oder US Treasury kaufen dann werden sie zehn Jahre lang kommen.
00:11:38: was wolle auf der Inflationsseite jedes Jahr in Europa großnordnungsmäßig drei in USA etwas über vier Prozent nominal bekommen.
00:11:48: Und natürlich ist es so, dass wenn die Anleger erwarten, dass die Inflation in den zehn Jahren die Folgen steigt.
00:11:55: Dann werden sie bereit sein für diesen nominalen Zins, den Sie erhalten weniger zu bezahlen.
00:12:01: Das heißt, die Preise der Anleihen gehen runter und die Zinsen gehen hoch.
00:12:05: Also das würde ich mal sagen, ist in einem Umfeld von steigenden Inflationserwartung ist es völlig rational, dass Anleihrenditen steigen und die Tatsache das die US-Anleihendieten, die sie genannt haben von knapp unter vier auf vier drei vier vier steigen.
00:12:23: Und der Bund von zwei sieben auf drei Null?
00:12:26: Das ist ja von der Größenordnung her eine vergleichbare Bewegung und zeigt, dass der inflationäre Schock, der jetzt aktuell ins System eingepreist wird steigende Energiepreise, ja alle Regionen vergleichbar trifft.
00:12:40: Von der würde ich sagen ist diese Bewegung alles andere als unnormal irrationale oder sowas sondern ich würde mal sagen eher gut durch die Fakten belegbar und auch geordnet.
00:12:52: Das ist jetzt keine gigantische
00:12:54: Bewegung.".
00:12:56: Aber können Sie es zumindest nachvollziehen dass Menschen sich nicht professionell mit all dem befassen und nicht jahrzehntelang intensivst auf diesen Terrain unterwegs sind?
00:13:05: verunsichert sind und vielleicht ja eher in so eine Art Schockstarre verfallen möchten, weil es weniger riskant erscheint als sich proaktiv in diesem Umfeld zu bewegen oder zu agieren.
00:13:15: Ja nur ich würde halt einschränken dazu sagen Es gibt keinen Grund für Schock-Starre Und deshalb ist sehr gut dass man versucht zu erklären wo's herkommt und dadurch auch so ein bisschen sagt mal die Dramatik rausnimmt.
00:13:27: Weil wie gesagt diese Entwicklungen an den an den Finanzmärkten aktuell die sind ja gut fundamental erklärbar.
00:13:35: Halten Sie es für eine überspitzte Interpretation, dass die Märkte zwar weiter in dem Dollar vertrauen aber nicht mehr den US-Staatsanleihen?
00:13:43: Gehen sie damit?
00:13:44: Das würde ich nicht sagen weil da kommen wir ja wieder zum Ausgangspunkt zurück.
00:13:48: Die Tatsache das amerikanische Staatsanleihen höhere Renditen benötigen um ihre Käufer zu finden ist ja ein Phänomen das in Europa auch stattfindet.
00:13:59: Weil kommen wir wieder zurück auf den Punkt.
00:14:02: Der Anstieg der Renditen sowohl am kurzen als auch am längeren Ende ist ja von der Dimension her vergleichbar zwischen, ich sag mal in beiden großen Regionen Euro Raum und Dollar Raum.
00:14:18: Von daher kann man jetzt nicht sagen das es ein Misstrauensbeweis gegen amerikanischen Staatsanleihen ist.
00:14:24: im Gegenteil die Tatsache dass beide in vergleichbaren Dimensionen reagiert haben, was Preis und Renditen angeht zeigt ja dass das jetzt keine Frage von die Anleger preferieren.
00:14:36: Jetzt eine Region über die andere als Folge des Konflikts im Nahen Osten.
00:14:40: Was auch wieder zurückgeht würde ich sagen ist relativ rational weil der Ölpreis Brand WTI auch relativ parallel läuft.
00:14:50: Das heißt der inflationäre Schock ist in vergleichbaren Dimensionen, in beiden Wirtschaftsregionen zu spüren.
00:14:58: Auf der Unternehmenseite ist es natürlich so dass die Tatsache das die USA mehr Erdöl exportierende Unternehmen hat.
00:15:08: Hat das natürlich weil der Energiesektor in solchen Bewegungen der Sektor Tendenziell ist der am besten abschneidet an den Märkten.
00:15:17: Der führt natürlich auf der Sektorebene zu einer unterschiedlichen Reaktion, weil die Indizes anders gewichtet sind.
00:15:23: Schauen wir mal eben noch auf die Notenbanken.
00:15:25: Ganz allgemein geht ja die Markterwartung eher Richtung steigende Zinsen, nun stehen für FED und EZB kommende Woche die nächsten Zinsentscheidungen an.
00:15:33: Für den Euro-Raum dürfte es tatsächlich eher wieder auf Anhebung hinauslaufen während es für die USA zuletzt auch immer eine Tendenz für Zinssenkung gab oder?
00:15:45: Genau also da sieht man schon so eine Differenzierung zwischen den Regionen das FED tendenziell dienen wie Erhöhungen und Senkungen warten sich die Waage halten.
00:15:56: Und deshalb bei weniger eingepreist ist dann Änderung versus EZBs nach wie vor eingepreist.
00:16:03: Erhörungen.
00:16:04: Das liegt unter anderem auch daran, dass die Mandate der beiden Zentralbanken etwas unterschiedlich sind.
00:16:12: Die EZ B hat ja ein inflationsorientiertes Mandat zwar auch mit dem Nebenmandat auf die Wirtschaftspolitik allgemein zu unterstützen aber nicht annähernd so explizit wie die Fed, deren Dual Mandate hat.
00:16:24: Also ein doppeltes Mandat das Beschäftigung und Inflation als Teil des Mandats hat.
00:16:31: also von daher ist es schon auch plausibel dass in einem Umfeld in dem Inflations tendenziell Druck nach oben entwickelt Wachstum eher geschwächt ist.
00:16:43: Dass da die Zentralbanken auch leicht... Das der Markt erwartet, dass die Zentrallbanken da etwas Anders agieren ist jetzt kein Zufall, sondern auch rational durch die Unterschiedlichkeit der Mandate begründet.
00:16:58: Spannend wird er jetzt auch im Mai, wenn die Amtszeit von Fettchef Jerome Powell abläuft und der von Donald Trump preferierte Kandidat Kevin Warsh übernehmen soll.
00:17:07: Als es voriges Jahr bekannt geworden ist sind teilweise Schreckensbilder gezeichnet worden – Die Unabhängigkeit der US-Notenbank sei massiv mit ihm in Gefahr.
00:17:16: Er selbst sagt aber, er werde nicht als Marionette agieren und frei entscheiden!
00:17:21: Wie ist Ihre Einschätzung?
00:17:25: In meiner Amtszeit Kevin Wash mehrfach getroffen und habe ihn als einen sehr starken Zentralbunker mit ganz klaren Verankerungen im Zentralbankensystem, mit all den Sachen die für alle Zentralbanke als Orientierungsgröße wichtig sind wie Unabhängigkeit, wie klare Orientierung am Geldpolitischen Mandat usw.
00:17:48: eins zu eins reflektiert gesehen.
00:17:50: von der überrascht es mich nicht dass jetzt gerade wieder bei der Anhörung Kevin Wash auch all diese Dinge, die ja zum Kernbestandteil von Zentralbankpolitik in Bezug auf Unabhängigkeit und Orientierung am Geldpolitischen Mandat auch in der Welt der Zentralbanken gang und gäbe sind.
00:18:21: Wir kommen zum zweiten größeren Thema dieser heutigen Ausgabe und das führt uns wieder ganz nah an uns in Deutschland heran, die nun wirklich sehr lange diskutierte Reform der privaten Altersvorsorge ist Ende März vom Bundestag beschlossen worden.
00:18:34: Die Rieste-Rente wird nun ab kommendem Jahr durch ein renditesstärkeres flexibles Anlagemodell ersetzt.
00:18:40: Im Fokus stehen ein neues Altersforsorge, Depot und ein kostengünstiges Standardprodukt – die Förderung wird einfacher Kinderzulagen steigen selbstständiger ausgeweitet.
00:18:53: Was ist es denn, was Sie als Allererstes hervorheben wollen Herr Kuckies?
00:18:57: Ja also das erste ist dass überhaupt beschlossen wurde.
00:19:00: ja ich weiß wovon ich rede.
00:19:02: ich habe sieben Jahre lang sowohl im Finanzministerium als auch im Kanzleramt immer wieder und immer wieder versucht das hin zu bekommen was die jetzige Bundesregierung unter Deutsche Bundestag hinbekommen hat nämlich diese Reform zu beschließen.
00:19:17: Das ist ja interessant fast schon identischen Kritikpunkte an dem bestehenden Riesesystem, der Reformnotwendigkeit und den erforderlichen Schritten.
00:19:28: Ja das hätten wir vor sieben Jahren schon beschließen können nur es gab nie die notwendige Mehrheit dafür.
00:19:35: von daher erst mal ganz ganz großen Glückwunsch an alle Beteiligten dass diese sehr grundlegende und in ganz Europa und ich habe vorgestern mit einem amerikanischen Investor gesprochen Die gesagt haben, wow damit ist Deutschland wirklich in der Spitzengruppe derer die private Säule der Altersvorsorge in der Welt jetzt mit einem sehr guten grundlegenden System.
00:20:01: Sehr einfach bürokratiearm ausgestaltet also für die Anlegerinnen und Anlegers sehr nachvollziehbar aber auf der anderen Seite auch eine sehr sehr signifikante direkte und steuerliche Förderung so dass breiten, breiten Masse der Bevölkerung jetzt ein sehr großer Anreiz besteht privat für das Alter vorzusorgen.
00:20:23: Nun gibt es ja in vielen Ländern der Welt teilweise schon seit Jahrzehnten Modelle der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge über die Kapitalmärkte?
00:20:32: Wo liegen die größten Unterschiede zu unserem Modell jetzt?
00:20:35: Ich würde sagen wir haben jetzt zur internationalen Spitzenklasse aufgeschlossen.
00:20:42: Das heißt, wir sind jetzt gar nicht so anders als in vielen anderen Regionen.
00:20:47: ja also Kriterium Nummer eins es sind sehr einfache transparente Produktgestaltungen möglich weil keine Garantie Verpflichtung da ist keine Mindestverzinsungs-, keine Verrentungsverpflichtung sondern Es ist ein sehr flexibler Markt.
00:21:02: jetzt bei denen sicherlich auch noch Produkte gibt die Vollkasko geben mit Vollgarantie wenn die Anlegerinnen und Anlegers das wollen.
00:21:10: Aber es gibt einfach die Möglichkeit, jetzt im Prinzip sehr flexibel auf Bedürfnisse zu reagieren.
00:21:18: und auf der anderen Seite die steuerliche Förderung.
00:21:20: Das ist immer sehr schwer zu vergleichen mit unterschiedlichen Systemen aber ich glaube jeder der sich das angeguckt hat mal die ersten Vergleiche mit Systemen im Rest der Welt angestellt hat.
00:21:32: Da ist Deutschland jetzt absolute Weltspitze, was die direkte und steuerliche Förderung angeht als Prozent der gezahlten Beträge.
00:21:40: Das sollte sich wirklich jeder angucken.
00:21:42: Das ist beachtlich – vierzig, fünfzig Prozent steuerlicher und direkter Begünstigung.
00:21:47: Das sind schon ganz, ganz erheblicheren Dieterbooster für alle Beteiligten.
00:21:51: Aber wenn Sie sagen Renditebooster, muss dann nicht doch wieder eingeschränkt werden.
00:21:56: Weil es ja eben auch diese Produkte mit Achtzig oder hundert Prozent Garantie gibt.
00:22:00: und gerade in einem Land wie Deutschland wo man ja ohnehin doch noch eher vorsichtig ist was den Gang an die Kapitalmärkte betrifft verhindern diese Garantien denn nicht genau die Rendite die man eigentlich erreichen will oder vielleicht sogar erreichen muss?
00:22:15: Aber das ist ja genau der Punkt!
00:22:16: Zum ersten Mal, und darauf bezieht sich auch der Glückwunsch an den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung.
00:22:24: Zum ersten mal gibt es ja keine Verpflichtung mehr voll Garantien oder achtzehn Prozent Garantie zu machen.
00:22:29: ich glaube das ist absolut normal und plausibel dass dem Markt die Möglichkeit geschaffen wird, Garantien zu geben.
00:22:36: Aber aus Sicht des Verbrauchers jeder der sagt ich habe eine Perspektive von dreißig Jahren bis zur Rente oder zwanzig jahren je nachdem wann jemand einsteigt Ich brauche keine teureren Produkte mit Garantie sondern ich bin zufrieden über die Auswahl der zugrunde liegenden Fonds ob das jetzt reine Aktienfonds sind Ob es jetzt gemischte Fonds sind Unternehmensanleihen, Rentenfonds.
00:23:03: Die Stabilisierung des Portfolios findet sozusagen ohne den Preis von festem Garantien statt.
00:23:09: Diese Möglichkeit hat ja jeder jetzt in dem neuen System und wird genauso gefördert wie die Produkte mit Garantie.
00:23:17: Sind wir Deutschen denn in der Masse aber wirklich gut genug gewappnet?
00:23:21: In diesem Bereich.
00:23:22: ist da genug Wissen und Erfahrung vorhanden um diese Entscheidung für sich treffen zu können?
00:23:28: Ja also Ich finde es nach wie vor schade.
00:23:31: Das gab ja in der letzten Legislaturperiode eine große Initiative von Kanzleramt und Finanzministerium, die finanzielle Bildung massiv zu stärken.
00:23:44: dafür gab's leider keine Mehrheiten.
00:23:47: das was gemacht wurde auch teilweise sogar kritisiert weil gesagt wurde wir wollen jetzt nicht unser purees Bildungssystem mit Finanzsachen ausstatten, was ich für einen großen Fehler halte.
00:24:00: Deshalb ist diese Reform nicht gekommen.
00:24:03: Ich gebe Ihnen da recht das müsste dringend gemacht werden.
00:24:06: Es ist auch meine Hoffnung dass jetzt als Folge der Tatsache dass jetzt alle sobald sie in Großtätigkeit gehen die Möglichkeit zu dieser Förderung haben, dass es auch noch mal zusätzlichen Anreiz gibt.
00:24:18: aber auf der anderen Seite muss man ja sagen Die Tatsache, dass wir jetzt mit vierzehn Millionen Aktionärinnen und Aktionären einen Rekordstand haben in Deutschland zeigt ja das viele viel mehr als wir denken.
00:24:30: Von sich aus sagen ich muss was für meine Altersvorsorge tun Und über ein Aktien-Sparplan vorzusorgen ist grundsätzlich eine gute Idee.
00:24:38: Jetzt kommt noch dieses sehr signifikante Förderung dazu.
00:24:41: Deshalb glaube ich schon Dass es deutlich mehr als die jetzigen vierzehnt Millionen geben wird die sich entscheiden dann Fondsparpläne, andere Formen der privaten Altersvorsorge aufzumachen.
00:24:54: Ein letzten kritischen Punkt würde ich noch aufgreifen Stichwort Flexibilität bei der Auszahlung.
00:24:58: das klingt an sich ja gut dass man frei entscheiden kann.
00:25:02: ist dann aber der Verzicht auf eine lebenslange Rente nicht wieder ein Risiko für Altersarmut in bestimmten Bevölkerungssegmenten?
00:25:10: Ja, das Gute ist diese Entscheidung trifft jeder für sich.
00:25:16: Es ist nicht mehr so, dass wir staatlich vorgegeben haben, jeder muss sich eine lebenslänge Rente auszahlen lassen.
00:25:23: es kann ja durchaus sein.
00:25:25: Es sagt jemand zum Eintritt in die Rente will ich mein Haus sanieren oder ein Haus kaufen oder eine Wohnung kaufen oder irgendwas machen mit hohem Kapitalbedarf das mir aber bis ans Lebensende positive Wirkungen verursacht, ja und das nicht mehr.
00:25:42: dieser Zwang da ist zu sagen nein du darfst aber nicht Geld entnehmen aus deiner Altersvorsorge.
00:25:49: Das erhöht aus meiner Sicht nicht nur die Flexibilität sondern auch die Attraktivität und wird vielmehr Menschen dazu bringen in dieses Systeme einzuzahlen.
00:25:57: also von der finde ich es die tatsache dass man da mehr Vertrauen in die menschen denen das geld gehört weil sie sich angespart haben die Menschen das dann selbst entscheiden lässt, ob ich eine lebenslange Rente will oder ob ich ne Auszahlung will.
00:26:11: Oder ob ich einer Kombination aus beiden will geht ja auch.
00:26:14: Das finde ich positiv, dass den Menschen vertraut wird und nicht mehr der Staat sagt so muss es jetzt gemacht
00:26:19: werden.".
00:26:19: Ich gehe an sicher total mit ihm aber trotzdem habe ich natürlich immer noch bedenken, dass man irgendwann vor dem Problem möglicherweise steht, Ja, irgendwie nach dem Start dann ruft und sagt mein Rentenplan ist nicht aufgegangen.
00:26:38: Ich gebe Ihnen recht es gibt in allen Systemen Risiken.
00:26:41: aber ich sehe die Risiken wenn man die Vorschriften und die Regelungen und damit natürlich auch die Kosten immer weiter nach oben treibt.
00:26:49: das hat mir ja bei Riester gesehen dass man so viele Einschränkungen gegeben hat.
00:26:54: Man hat den Anlegern gesagt ob ihr eine volle Garantie haben wollt oder nicht ist uns egal.
00:26:59: Wir verpflichten euch, eine volle Garantie zu machen.
00:27:02: Ob ihr eine Flexibilität in der Auszahlung haben wollt oder nicht bei Renteneintritt ist uns egal!
00:27:09: Wir verplichten euch zur lebenslanger Verrentung.
00:27:13: All das verursacht auf der einen Seite Kosten und auf der anderen Seite sagen dann viele Konsumenten okay wenn es alles so eingeschränkt ist dann schließe ich erst gar nichts ab.
00:27:22: Und da bin ich optimistisch und finde dass der Bundestag genau die richtige Entscheidung getroffen hat.
00:27:27: nämlich diese Lebensentscheidungen den Bürgerinnen und Bürgern zu überlassen, die ja ganz viele Lebensentschreitungen auch selbst treffen ist aus meiner Sicht genau die richtige Strategie.
00:27:37: Die empirischen Studien, die wir zeigen das Menschen in der ganzen Welt mit den großen Auszahlungen, die sie bekommen wenn sie privat für die Altersvorsorge gespart haben.
00:27:50: In der Regel wird ganz ganz wenigen Ausnahmen sehr vernünftig, sehr rational und sehr zukunftsorientiert gemacht werden.
00:28:08: Trotz fortgeschrittener Zeit sollten wir noch ein weiteres Thema besprechen, das in den vergangenen Wochen für einige Schlagzeilen gesorgt hat.
00:28:14: Private Credit.
00:28:16: Zunächst mal eine kurze Definition dessen und zugleich auch eine Frage an sie fasse ich es denn richtig zusammen wenn ich sage Private Credit heißt, Fonds vergeben Kredite direkt an Unternehmen oft mit variabler Verzinsung und ohne Börsenhandel.
00:28:31: Die Anforderungen des regulierten Bankensektors entfallen weitgehend.
00:28:35: das heißt Unternehmen erhalten Kapital, Investoren erzielen Rendite, Foremanager bekommen Gebühren.
00:28:41: ja.
00:28:42: am Ende also kreditähnliche Aktivitäten außerhalb des klassischen Bankensystems mit weniger Regulierung.
00:28:49: Ja wobei es natürlich wie immer bei kurzen Zusammenfassungen eine Ich würde mal sagen, sehr starke Simplifizierung.
00:28:57: Weil natürlich diejenigen, die die Kredite vergeben und die Kredit nehmen, sehr unterschiedlich sein können.
00:29:03: Sie haben von variablen Zinsen gesprochen.
00:29:05: Es ist absolut möglich und wird auch gemacht, dass natürlich auch feste Zinsvereinbarungen gemacht werden.
00:29:11: Also da gibt es keine Gesetzmäßigkeit, dass ein Private Credit per Definition Variabel sein muss kann auch fix sein, kann kurz sein, Der Markt ist da ja sehr vielfältig und wesentlich vielfaltiger als gesagt wird.
00:29:27: Was noch hinzukommt, ist das die Aussage dass es gar keine Regulierung gibt auch nicht immer zutrifft weil viele derjenigen die die Kredite vergeben aus entweder Bankähnlichen oder Versicherungsähnliche, oder sogar direkt der Versicherungsaussicht unterliegenden Organisationen kommen.
00:29:44: Das heißt es ist auch nicht so dass es in diesem ganzen Universum keinerlei Vorschriftenregulierung gibt.
00:29:50: das wird ja auch manchmal so dargestellt.
00:29:52: Was ich jetzt auch gelesen habe, interessanterweise von ihrem neuen Arbeitgeber zahlen von Morgan Stanley wie stark das Private Credit-Geschäft in den letzten Jahren gewachsen ist.
00:30:02: Also demnach wird der Markt derzeit auf drei Billionen US Dollar beziffert und schon zwanzigneunundzwanzig könnte er auf fünf Millionen US Dollar gewachsen sein.
00:30:11: Warum diese Steigerung?
00:30:12: Und wo kommt das her?
00:30:14: Ich meine es gibt natürlich so oft verschiedene Treiber.
00:30:17: Treiber eins ist ganz normales Wirtschaftswachstum.
00:30:20: Sie sprechen ja von nominalen Größen.
00:30:22: Das heißt, wenn Wirtschaften wachsen dann ist es ganz normal und das ist übrigens bei den Banken auch so dass das nominale Kreditwachstum in der Regel nach oben geht, wenn das Wirtschaftswachstum nach obengeht.
00:30:34: also von daher würde ich sagen Es sind Teil der Zahlen schlicht und einfach dadurch begründet Dass die wirtschaften nominal aber auch real wachsen.
00:30:44: Der zweite Grund ist natürlich, dass es gewisse Verlagerungen gibt.
00:30:50: Anforderungen im Bankensystem, Teile der Kreditvergabe schwieriger, teurer mit mehr Eigenkapital ausgestattet.
00:31:00: Das ja auch verzinzt werden muss macht dann ist es so gewesen jetzt in den letzten Jahren und die Erwartung dass es auch so weitergeht das weitere Verlagerungen stattfinden was man aber auch dazu sagen muss.
00:31:14: Die grundlegende Form von Kreditvergabe außerhalb des Bankensystems ist ja überhaupt nichts Neues.
00:31:20: Jeden Tag, in dem ein Usage-Fonds eine Unternehmensanleihe kauft, ist ja eine Form von entweder im Primär oder Sekundärmarkt der Entweder Vergabe eines Kredits oder der Handel eines Kredit außerhalb das Bankenssystems.
00:31:36: wenn ein DAX Konzern eine Unternehmeranleiher begibt und internationale Vorgesellschaften diese Unternehmensanleihe kaufen, dann passiert ja auch vom grundlegenden Auszahlungsprofil nichts anderes als beim Bankkredit.
00:31:51: Nämlich das Unternehmen bekommt am Tag der Emission der Anleihe Geld, zahlt darauf Zinsen und am Ende der Laufzeit zahlt es den Kredit oder die Anleiher zurück.
00:32:00: also dass Kreditintermediation außerhalb des Bankensystems in der Form geschieht ist würde ich mal sagen kein besonders außergewöhnlicher Vorgang.
00:32:12: Aber würden Sie sagen, dass das noch eine gesunde Entwicklung ist oder streckenweise schon
00:32:21: so, Konzentrationsrisiken, systemische Risiken usw.
00:32:29: aufweist?
00:32:30: – das sind völlig richtige Bedenken und man muss natürlich gucken dass die aktiv- und passivseite der jeweiligen Bilanzen ausgewogen gestaltet ist.
00:32:40: will heißen Banken deren Passivseiten über Einlagen schnell abfließen kann unterliegen natürlich anderen Regeln als eine Versicherungsgesellschaft bei denen Inhaber eines Versicherungsvertrags, nicht einfach morgen bei einer Lebensversicherung die Versicherung anrufen kann und sagen bitte überweist mir das Guthaben aus meiner Lebensversichung in vollem Umfang.
00:33:06: Und ich ziehe mein Geld jetzt ab.
00:33:07: Aus dieser unterschiedlichen Struktur der Passivseite der Bilanz ergeben sich natürlich auch für die Aktivseiten der Bilans unterschiedliche Regulierungsanforderungen.
00:33:18: Das ist im Private Credit Markt natürlich auch so.
00:33:21: Aus meiner Sicht ist aus der Finanzmarktkrise die richtige Lehre gezogen worden, dass das sogenannte Gating leichter gemacht wird.
00:33:31: Will heißen wenn ich als Investor einen Private Credit oder ein Private Equityfonds zeichne dann muss sich damit leben, dass wir ganz viele andere Investoren zeitgleich das Geld abziehen wollen.
00:33:43: Der Fonds sagen kann im Interesse aller Inhaber der Fondsanteile reduziere jetzt die Möglichkeit Geld abzuziehen, insbesondere in Situationen, in denen die Aktivseite der Bilanz nämlich die Investitionen entweder kredite oder eigenkapitale Investition nicht so leicht zu Geld gemacht werden kann.
00:34:03: Sie haben damit ja jetzt einen der größten Kritikpunkte angesprochen wo aber scheinbar auch simplifiziert wird mit Aussagen wonach diese Rückgabefenster zum Zusammenbruch führen wenn alle gleichzeitig ihr Geld wieder raus ziehen wollen.
00:34:16: Aber sie haben nun gerade gesagt dass genau das eigentlich so nicht laufen kann.
00:34:21: Ich war
00:34:21: ja selbst Mitglied des Finanzmarktstabilitäts Boards in den G-Zwanzig, genau darauf wurde ja geguckt dass man die Möglichkeit schafft das das sogenannte gating das heißt genau das Gegenteil dessen was sie als Problem richtigerweise dargestellt haben nämlich ein Fonds kann alle möglichen Abflüsse nicht vermeiden auch wenn Aktivpositionen, also die Vermögenswerte überhaupt nicht liquide sind und das jetzt natürlich unmöglich zu pauschalisieren.
00:34:54: Aber ich würde schon sagen die meisten großen Fonds haben genau diese Möglichkeit geschaffen.
00:35:00: nämlich wenn sie sehen es gibt gewisse Volumina von Abflüssen dann können Sie denjenigen die Geld abziehen wollen sagen sorry ihr seid institutionelle Investoren.
00:35:11: ihr wisst was die Risiken sind.
00:35:13: ihr bekommt auch eine Illiquiditätsprämie, so höhere Verzinsung weil man einen illiquideren Vermögensgegenstand kauft.
00:35:21: Das heißt wenn viele abziehen wollen dann können nicht alle abziehen weil die Vermögenpositionen nicht so schnell zu Geld gemacht werden können.
00:35:29: Okay, also ich kann das alles nachvollziehen und ich will sie auch gar nicht infrage stellen.
00:35:33: Aber ich habe hier trotzdem auch Berichte die mich ja letztlich weiter fragen lassen.
00:35:38: da heißt es im Private Credit Segment würde eine Finanzkrise in Echtzeit sich entwickeln.
00:35:44: Ich hatte kürzlich gelesen von George Noble von Fidelity und dem Wirtschaftswissenschaftler Mohammed L Ariane die vor den Risiken warnen auch relativ lautstark.
00:35:53: Auch der IWF hat vor Liquiditäts- und Verhaltensrisiken gewarnt, es wird darauf verwiesen dass diese Private Credit Geschichten schwer händelbar sein und das gibt mir natürlich dann zu denken mit dem was ich jetzt von Ihnen höre ja auch in Einklang zu bringen und in seiner Gesamtheit einzuordnen.
00:36:13: Also was auf jeden Fall ein Fakt ist All diese Autoren, die sie zitiert haben ja auch recht haben ist der große Unterschied zwischen dem Private Credit Markt und dem Bankenmarkt auf der einen Seite.
00:36:26: Dem Versicherungsmarkt auf den anderen Seite ist.
00:36:28: in den Bankenmärkten haben wir ein weltweites Rahmenwerk Die Baselvereinbarungen, die in den unterschiedlichen Regionen natürlich nicht gleich aber zumindest mal vom Prinzip her weltweit Einheitlich will ich nicht sagen weil es gibt Ganz viel Unterschiedlichkeit in den Umsetzungen, aber zumindest mal ein gemeinsames Regelwerk.
00:36:50: DITO in der Versicherungsindustrie in Europa unter Solvency II bekannt.
00:36:56: In der Schweiz, in Großbritannien und USA werden Versicherungen unter den gleichen Prinzipien beaufsichtigt und müssen regulatorisches Eigenkapital unter den vergleichbaren... weltweit koordinierte Systematik unterlegen.
00:37:14: Das gibt es im Private Credit Markt nicht in der Form, also das ist ein völlig legitimer Punkt und das führt natürlich dazu dass man auf der einen Seite nicht die Transparenz und nicht die Deutlichkeit in der Durchsicht hat wie bei Bank- und Versicherungsregulatorischen Organisationen.
00:37:35: Also von der würde ich überhaupt nicht bestreiten, dass es diese Unterschiedlichkeit in der Aufsicht, in der Regulierung und so weiter gibt.
00:37:41: Das ist völlig klar.
00:37:43: aber was ich als Gegenpunkt sagen will ist auch nicht so das wie in manchen Berichten zu lesen ist da jeder machen kann was er will und alles völlig unreguliert.
00:37:52: dem würde schon widersprechen weil eben auf der einen Seite in der Praxis sich schon eine gewisse Vergleichbarkeit gemacht hat.
00:38:00: die andere Frage ist aber und das ist tatsächlich ein anderer Punkt Abseits der regulatorischen Sichtweise ist natürlich die Frage, Ist die zugrunde liegende Wirtschaftsaktivität möglicherweise krisenanfällig?
00:38:13: Das ist aber ein anderes Thema und da muss man natürlich innerhalb des Private Credit Markts sehr genau auf die einzelnen Subsektoren schauen.
00:38:22: Weil die Frage ob und welche Risiken im Markt für die Finanzierung von Datenzentren, im Markt für die finanzieren von Immobilienbeständen, von Automobilkonsumdarlehen und so weiter jeweils völlig unterschiedliche Risikostrukturen herrschen.
00:38:41: Wie könnte man der von Ihnen erwähnten Krisenanfälligkeit denn begegnen?
00:38:45: Bräuchte es da eine differenziertere Regulierung oder insgesamt eine strengere Oder würde genau das am Ende den Vorteil dieses Marktes zu stören?
00:38:55: Haben wir da also... Wir haben im Ende so ein Zielkonflikt, weshalb diese Überlegungen direkt hinfällig werden.
00:39:00: Also ich glaube ja dass es eine richtige Idee ist und grundlegend, also jetzt mal ganz fundamental richtige Ideas, dass man immer genau guckt was die aktiv Passivseite der Bilanz aller zu regulierender Aktivität ist.
00:39:18: Und da ist es aus meiner Sicht völlig richtig eine Bank, die sehr stark auf Einlagen refinanziert ist, die über Nacht abgezogen werden kann ohne dass eine Bank etwas dagegen tun kann.
00:39:31: Dass diese Bank anders reguliert wird oder andere Eigenkapitalanforderungen hat als eine Bank die nicht langfristig finanziert und wieder ganz anders regulieren wird und anderes ein eigenkapital vorhalten muss als eine Versicherung das ist ja völlig richtig.
00:39:47: Und deshalb ist aus meiner Sicht bei dem private credit mark schon wichtig dann auch genau zu gucken, welche passiv struktur hat ein von.
00:39:56: also muss sich der anleger in einen forn verpflichten im notfall zehn jahrelang investiert zu bleiben komme was wolle.
00:40:03: Dieser Fonds sollte anders behandelt werden als ein Fonds, bei dem die Anleger theoretisch über Nacht ihr Geld abziehen können und der Fonds kann gar nichts dagegen tun.
00:40:13: Also von daher finde ich es schwer da pauschale Aussagen zu machen weil der Private Credit Markt einfach ganz andere Strukturen aufweist und viel heterogener ist also wie es manchmal so dargestellt wird.
00:40:25: Das lassen wir als Schlusswort für heute stehen.
00:40:27: vielen Dank Herr Cookies.
00:40:29: Vielen Dank
00:40:32: Danke natürlich auch an Sie, liebe Hörerinnen und Hörern.
00:40:34: Wir hoffen sie sind bei der nächsten Ausgabe Ende Mai wieder mit
00:40:45: dabei!
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